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Noten und Worte in Schupbach

...was uns verbindet

…was uns 

Was verbindet Jeffrey Streimer aus Sydney mit Schupbach? Es ist die ehemalige Synagoge. Dort war sein aus Obertiefenbach stammender Großvater Vorbeter, seine Mutter stand noch oben auf der Frauenempore. Diese Verbindung hat ihn schon mehrmals an den Ort seiner Vorfahren gebracht, hat zu neuen Verbindungen geführt und alte verändert. „… was uns verbindet“, ist am Sonntag, 2. Dezember, das Motto der Veranstaltungsreihe „Noten & Worte“, zu der der Förderverein „Ehemalige Synagoge Schupbach“ einlädt. Wie in den Jahren zuvor ist die evangelische Kirche um 17 Uhr Veranstaltungsort für diese besinnliche Einstimmung auf die Vorweihnachtszeit..

Menschen gehen viele Verbindungen in ihrem Leben ein, Verbindungen begleiten die Menschheit. Die Verbindungen zwischen Gott und den Menschen, die zwischen ihnen geschlossenen Bünde, prägen jüdischen und christlichen Glauben. Die Worte an dem Nachmittag werden Bezug nehmen darauf, was Gott für Bünde mit Noah, Abraham und David geschlossen hat. Bünde oder Verbindungen zwischen Gott und den Menschen gibt es nicht nur im Alten Testament, sondern es gibt auch den Neuen Bund, den Jesus mit seinen Jüngern einging.

Verbindungen prägen gesellschaftliches Leben bis heute und werden dies auch weiter tun. Unsere Republik ist ein Bund, so wird es schon in der Bundesrepublik Deutschland ausgedrückt. Und wir leben im Bundesland Hessen, das wiederum Teil des größeren Gebildes ist. Das Grundgesetz beschreibt, welchen Bund wir eingehen sollen, unter welchen Voraussetzungen gemeinsames Leben in der Republik stattfinden soll.

Auch Staaten suchen untereinander nach dem, was verbindet. Lange war es eine europäische Idee, die Länder in unserer Nachbarschaft miteinander gemeinsames suchen ließ. Die Idee hat Risse bekommen. Während es über viele Jahre darum ging, Teil der Gemeinschaft unter dem Dach der EU zu werden, gibt es nun Tendenzen, Verbindungen zu verlassen oder das, was verbinden soll, offen in Frage zu stellen beziehungsweise dagegen anzuarbeiten.

Und dann gibt es natürlich die Frage, was Freunde miteinander verbindet, Ehepartner, Eltern und Kinder, Großeltern und Enkel…

In Worten soll an dem Abend in der Kirche nachgespürt werden, was uns verbindet. Musikalisch begleitet die Band „Keep Digging“ mit Ulrich und Sebastian Wendt sowie Eckard Mascus das Geschehen,

Im Anschluss an das Programm lädt der Förderverein noch dazu ein, in der Kirche zu verweilen und den Austausch darüber zu suchen, was zuvor an Worten gesprochen und an Musik erklungen ist. Eintritt wird nicht erhoben, es steht den Besuchern frei, eine Spende zu geben.

Denkmal mit weltweiten Verbindungen

„Entdecken, was uns verbindet“ lautet das Motto am „Tag des offenen Denkmals 2018“ am Sonntag, 9. September. Auch die ehemalige Synagoge in Schupbach ist wieder mit dabei und öffnet ihre Tür. In der Zeit zwischen 11 und 17 Uhr lädt der Förderverein in das Gebäude in der Ortsmitte (Mittelstraße) zu einem Besuch ein.

Die sanierte Decke überspannt sich den Betraum und lädt unter dem nächtlichen Sternenhimmel zu Begegnungen ein.

Die sanierte Decke überspannt sich den Betraum und lädt unter dem nächtlichen Sternenhimmel zu Begegnungen ein.

„Wir freuen uns auf möglichst viele Besucher, denn wir können nun nach mehrjähriger Arbeit ein Gebäude präsentieren, dessen innere Restaurierung abgeschlossen ist“, wirbt Vorsitzender Johannes Laubach für einen Besuch. Im April dieses Jahres wurde in einem großen Rahmen die Wiedereröffnung begangen. Dem Festakt wohnten auch Gäste aus Sydney, Florida und Toronto bei, Nachkommen jüdischer Familien, die Obertiefenbach und Heckholzhausen verlassen mussten, um die Nazi-Herrschaft zu überleben.

 Jeffrey Streimer, Nachfahre der Familie Strauß aus Obertiefenbach, präsentierte in der ehemaligen Synagoge eine Familienchronik mit dem Bild des ehemaligen Wohnhauses der Familie.

Jeffrey Streimer, Nachfahre der Familie Strauß aus Obertiefenbach, präsentierte in der ehemaligen Synagoge eine Familienchronik mit dem Bild des ehemaligen Wohnhauses der Familie.

„Wir können also auf viele Verbindungen am Tag des Denkmals hinweisen“, so Laubach weiter. Denn mit den Nachkommen der Familien Schwarz und Strauß sind die Mitglieder des Vereins weiterhin in Kontakt. Die Verbindung zu den Nachkommen ehemaliger jüdischer Bürger aus den umliegenden Orten ist ein wichtiges Anliegen neben den Bemühungen um den Erhalt des Gebäudes. Die bis 1938 bestehende jüdische Gemeinde verteilte sich auf die Orte Schupbach, Obertiefenbach, Heckholzhausen, Gaudernbach und für kurze Zeit auch auf Wirbelau.

Es gibt weitere Verbindungen, fügt Sabine Müller-Wendt als Zweite Vorsitzende hinzu, denn der Förderverein sei im Jahr 2010 ins Lebens gerufen worden, um der ehemaligen Synagoge eine Zukunft zu ermöglichen. Die Decke über dem Betraum zeigte erhebliche Schäden und es bestand die Gefahr, dass sie mit der Zeit einstürzt. „Die Mitglieder des Vereins verbindet das Engagement für ein Gebäude, das lange in Vergessenheit geraten war und dennoch ein wichtiges Zeugnis in unserem Landkreis ist“, unterstreicht Sabine Müller-Wendt.

In die Verbindung zur Sicherung der ehemaligen Synagoge ist auch die Gemeinde eingetreten, denn sie übernahm das Gebäude, das sich zuvor seit 1938 in (unterschiedlichem) Privatbesitz befand. Der Eigentümerwechsel war eine wichtige Voraussetzung für die Restaurierung unter der Bauherrschaft des Vereins. Die Gemeinde beteiligte sich auch finanziell an den Arbeiten im Rahmen der Vereinsförderung.

So sah es ganz zu Beginn der Restaurierung und Sicherungsarbeiten aus: Vom Gerüst aus verschaffen sich die Besucher einen Einblick in den geöffneten Dachstuhl und die Deckenkonstruktion. Bildhinweis für alle Aufnahmen: Förderverein Ehemalige Synagoge Schupbach

So sah es ganz zu Beginn der Restaurierung und Sicherungsarbeiten aus: Vom Gerüst aus verschaffen sich die Besucher einen Einblick in den geöffneten Dachstuhl und die Deckenkonstruktion. Bildhinweis für alle Aufnahmen: Förderverein Ehemalige Synagoge Schupbach

Weitere wichtige Institutionen gingen Verbindungen mit dem Verein ein, um die Arbeiten zu stemmen. „Das Landesamt für Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz oder auch der Landkreis unterstützten uns finanziell“, so Johannes Laubach. Hinzu kommen nach zahlreiche Einzelspender/innen oder auch Sternen-Paten/innen, die ihren Anteil dazu beitrugen, die Sanierung vorzunehmen.

Am „Tag des Denkmals“ wird es von 11 Uhr an zu jeder vollen Stunde einige Erläuterungen dazu geben, welche Verbindungen es mit Nachkommen jüdischer Familien gibt, zugleich wird über deren Geschichte informiert. Natürlich gibt es auch Hinweise und Wissenswertes zur Restaurierung der ehemaligen Synagoge in Schupbach. Bei Kaffee und Kuchen können die Besucher mit Mitgliedern des Vereins und untereinander in Verbindung treten.

Eröffnung der ehemaligen Synagoge in Schupbach

1858 entschied die damalige jüdische Gemeinde in Schupbach, eine neue Synagoge zu bauen. 1938 am Jom Kippur Tag wurde dort der letzte Gottesdienst gefeiert, 2018 wird das Gebäude als ehemalige Synagoge eröffnet und steht damit der Allgemeinheit zur Verfügung.

Die jüdische Gemeinde Schupbach ist Geschichte, sie hat sich nach dem letzten Gottesdienst 1938 aufgelöst. Einigen Frauen, Männern und Kindern gelang die Flucht, andere wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Bis 1938 war die Gemeinde schon sehr geschrumpft, ihre Blütezeit mit bis zu 180 Mitgliedern hatte sie längst hinter sich. „Zur Eröffnung der ehemaligen Synagoge erwarten wird Gäste aus Kanada, Australien und den USA, deren Vorfahren Mitglieder der jüdischen Gemeinde waren“, sagt Johannes Laubach, Vorsitzender des Fördervereins Ehemalige Synagoge. Die Gäste werden am Sonntag, 8. April, an der Wiedereröffnung des Gebäudes teilnehmen.

Die Feier beginnt um 11 Uhr im Bürgerhaus. Sie bildet den Auftakt für eine neue Verwendung des Gebäudes, ist zugleich aber auch Abschluss der Innenrestaurierung. Am Nachmittag wird die ehemalige Synagoge zum ersten Mal in ihrem restaurierten Zustand der Öffentlichkeit präsentiert. „Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder einmal in das Gebäude eingeladen, unter anderem jeweils am ,Tag des offenen Denkmals’, doch nun sind die Arbeiten innen abgeschlossen“, führt Sabine Müller-Wendt als stellvertretende Vorsitzende aus. Mit dem Abschluss der Arbeiten steht das Gebäude in der Schupbacher Mittelstraße, unweit von Brunnenplatz und Kirche gelegen, der Allgemeinheit zur Verfügung.

NS-Zeit überstanden

Als Synagoge diente es der früheren jüdischen Gemeinde zum Gebet und zur Zusammenkunft. Unter der Decke, die einen nächtlichen Sternenhimmel darstellt, kamen Menschen aus den umliegenden Orten zusammen, denn die Gemeinde umfasste neben Schupbach noch Obertiefenbach und Heckholzhausen, zeitweise wohnten auch Mitglieder in Wirbelau und Gaudernbach. Das Gebäude wurde als Synagoge gebaut, was keineswegs selbstverständlich war. In den Dörfern war es durchaus üblich, Wohnhäuser, Schmieden oder ähnliches als Synagogen zu nutzen.

Vermutlich war dies bei der ersten Synagoge der Fall, die am gleichen Standort stand. Sie war jedoch baufällig und zu klein, so dass die Gemeinde sich zu einem Neubau entschloss. Die NS-Zeit hat sie deshalb schadlos überstanden, weil sie vor der so genannten Reichskristallnacht von der jüdischen Gemeinde verkauft worden war. Der Besitzerwechsel hatte bauliche Veränderungen an der Fassade zur Folge, die durchgehenden Fenster wurden unterbrochen, und der Betsaal diente der benachbarten Bäckerei als Lagerraum.

Förderverein wird aktiv

Seit dem Jahr 2012 ist das Gebäude in Besitz der Gemeinde. Der zwei Jahre zuvor gegründete Förderverein Ehemalige Synagoge hatte den Kauf initiiert. „Nach acht Jahren haben wir nun ein wichtiges Ziel erreicht. Die Restaurierung ist weitgehend abgeschlossen, das Gebäude ist sicher und kann wieder genutzt werden“, sagt Johannes Laubach, der seit Gründung des Vereins Vorsitzender ist. Die Restaurierung war dringend geboten, um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu erhalten. Aus der aufwändigen Deckenkonstruktion, einer Kuppeldecke, hatten sich die ersten Putzteile gelöst, die Decke drohte ihre Spannung zu verlieren und auf den Boden zu stürzen.

Selbst Hand anlegen war für die rund 50 Mitglieder des Vereins erst einmal nicht möglich, die Sicherung und Restaurierung blieb Aufgabe von Fachleuten. Nun schwebt die Decke mit ihren Sternen wieder sicher über dem Betraum, die Wände sind saniert, der Fußboden aus Holz und Steinfliesen ist gesäubert und ausgebessert, Fenster und Türen wieder funktionsfähig. Natürlich waren auch einige Eingriffe notwendig, um das Gebäude für seine künftige Verwendung als Ort für Veranstaltungen und Zusammenkünften zu ertüchtigen. Bei verschiedenen Arbeiten war dann doch Eigenleistung der Mitglieder angesagt.

Die Restaurierung ist nur mit finanzieller Unterstützung zu stemmen gewesen. Nach Angaben von Kassierer Gerd Klausnitzer haben neben dem Landesamt für Denkmalpflege (90.000 Euro) noch der Bund aus einem Sonderprogramm (60.000 Euro) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (30.000 Euro) das Projekt mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt. Die Gemeinde erwarb nicht nur das Gebäude, sondern half dem Verein auch mit einer Förderung in Höhe von 15 Prozent der zu erwartenden Investitionskosten.

Wie ein nächtlicher Himmel spannt sich die Kuppeldecke mit den Sternen über den Betraum der ehemaligen Synagoge.
Wie ein nächtlicher Himmel spannt sich die Kuppeldecke mit den Sternen über den Betraum der ehemaligen Synagoge.
Ein Bild aus der Vergangenheit. Die Decke zeigte deutliche Schäden, zum Teil war schon der Putz heruntergefallen
Ein Bild aus der Vergangenheit. Die Decke zeigte deutliche Schäden, zum Teil war schon der Putz heruntergefallen
„Unsere finanzielle Handlungsfähigkeit wurde nicht zuletzt durch unsere Sternenpatenaktion und durch verschiedene Zuwendungen von Einzelspendern ermöglicht“, führt der Kassierer weiter aus. Die Sternenpaten übernehmen symbolisch die Patenschaft für einen Stern, der sich an der Kuppeldecke befindet. Ein Einsatz in Höhe von mindestens 500 Euro ist dabei von den Spendern notwendig.

Besuch von Nachkommen

„Schon während der Phase der Restaurierung bekamen wir Besuch aus Australien. Dort leben Nachkommen der Familie Strauß, die vor der Flucht in Obertiefenbach lebte“, erzählt Johannes Laubach. Die Nachkommen werden mit einer großen Delegation, bestehend aus drei Generationen, an der Feier zur Wiederöffnung teilnehmen. Darüber hinaus haben sich Nachkommen der Familie Schwarz, die ursprünglich in Heckholzhausen beheimatet war, angesagt. Die Nachkommen leben heute in Kanada und in Florida/USA.

Die offizielle Feier beginnt am Sonntag, 8. April, um 11 Uhr im Bürgerhaus und steht allen Interessierten offen. Am Nachmittag öffnet die ehemalige Synagoge ihre Tür und lädt in der Zeit von 15 bis 18 Uhr zu einem Besuch ein. Die Mittelstraße wird vor der Synagoge an diesem Nachmittag für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Das Programm zur Eröffnung

Die offizielle Feier zur Wiedereröffnung der Ehemaligen Synagoge beginnt am Sonntag, 8. April, um 11 Uhr im Bürgerhaus und wird musikalisch von Sören Thies begleitet. Einen Impuls setzt der ehemalige Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Professor Dr. Gerd Weiß. Während der Veranstaltung werden auch Nachkommen von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde das Wort ergreifen. Ein Interview über Erinnerungskultur, Grußworte von Gästen, eine Darstellung der Restaurierung sowie der Verbindung zwischen dem alten Gebäude (ehemalige Synagoge) und dem jungen Förderverein runden das Programm ab. Am Nachmittag steht die ehemalige Synagoge in der Mittelstraße unweit des Brunnenplatzes in der Zeit von 15 bis 18 Uhr allen Interessierten offen.

Noten und Worte: Auf der Flucht

Menschen auf der Flucht, das ist schon ein biblisches Thema. Mose führt sein Volk aus Ägypten fort, die heilige Familie hingegen flüchtet vor Herodes nach Ägypten. Flucht ist natürlich auch ein Thema des vergangenen Jahrhunderts. Jüdische Mitbürger mussten fliehen und ihre Heimat verlassen, um ihr Leben zu retten. Mit der sich abzeichnenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg flüchteten viele Menschen vor der Roten Armee. Und heute suchen Flüchtlinge aus Syrien zum Beispiel Zuflucht in einem Land, dessen politisches System und Rechtsstaatlichkeit eine sichere Zukunft versprechen.
Flucht ist das Thema am ersten Adventssonntag, 27. November, in der evangelischen Kirche in Schupbach. Um 17 Uhr lädt der Förderverein Ehemalige Synagoge wieder zu seiner Veranstaltung „Noten & Worte“ ein, die auf die Zeit im Advent einstimmen soll. Für die musikalischen Töne sorgen wie im vergangenen Jahr Eckard Mascus, Sebastian und Ulrich Wendt.
Mit Texten aus dem alten und neuen Testament soll sich an dem Nachmittag dem Thema Flucht ebenso angenähert werden, wie mit Zeugnissen von jüdischen Bürgern, die der ehemaligen jüdischen Gemeinde Schupbach angehörten und durch ihre Flucht ihr Leben retteten, das dann an ganz anderen Stellen der Erde fortgesetzt wurde. Während die jüdischen Bürger ihre Heimat Schupbach oder Obertiefenbach verlassen mussten, wurden die einzelnen Ortsteile der heutigen Gemeinde Beselich für Menschen zur neuen Heimat, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs oder kurz danach aus ihrer angestammte Heimat flüchteten. Neben der Flucht gab es auch Vertreibung.
Rund 60 Millionen Menschen sind heute nach Schätzungen der UNO auf der Flucht, meist handelt es sich um so genannte Binnenflüchtlinge, die innerhalb ihres Landes fliehen. Millionen flüchten jedoch aus ihren Heimatländern, dort droht der gewaltsame Tod. Wer Aleppo oder den IS überlebt hat, für den wird vielleicht auch die Gemeinde Beselich zu einer neuen Heimat. Manchmal nur für kurze Zeit, manchmal für länger, vielleicht für immer.
Die vorgetragenen Texte schildern Flucht anhand von einzelnen Schicksalen. Dazu gibt es kurze erläuternde Texte, die sich mit Fluchtursachen und Fluchtumständen zu unterschiedlichen Zeiten der Menschheit auseinandersetzen. Das alles vollzieht sich vor dem Lampedusa-Kreuz, das das Bistum Limburg zur Verfügung stellt. Das Kreuz ist gefertigt aus Planken von Booten, mit denen Flüchtlinge über das Mittelmeer in Richtung Europa flüchteten. Doch die Boote kenterten, wurden zerstört und einzelne Teile von ihnen schwemmte das Meer auf die zu Italien gehörende Insel Lampedusa.
Nach der Veranstaltung lädt der Förderverein noch zu einem Gedankenaustausch ein. Ein Eintritt wird nicht erhoben, Spenden für die Sanierung der ehemaligen Synagoge sind jedoch willkommen.

Das Lampedusa-Kreuz wird während der Veranstaltung in der evangelischen Kirche in Schupbach stehen und an die Opfer unter den Flüchtlingen erinnern
Das Lampedusa-Kreuz wird während der Veranstaltung in der evangelischen Kirche in Schupbach stehen und an die Opfer unter den Flüchtlingen erinnern.

Gemeinsam für die ehemalige Synagoge

Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 11. September, öffnet auch die ehemalige Synagoge in Schupbach ihre Tür und lädt zu einem Besuch ein. Dabei betreten die Besucher eine Baustelle. Nicht so groß und spektakulär wie vor zwei Jahren, da war das Dach abgedeckt und das Gebäude komplett eingerüstet, aber überaus interessant und informativ, da zurzeit die Sanierungsarbeiten der Innenwände laufen. Die ehemalige Synagoge ist in der Zeit von 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Erläuterungen zu den laufenden Arbeiten und zu der bereits gelaufenen Sanierung gibt es zu jeder vollen Stunde. Dazu stehen Restauratoren, Planer und Mitglieder des Vereins zur Verfügung.
„Zusammen ist man weniger alleine: Gemeinsam Denkmäler gestalten“ ist das Motto für den „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag. Das trifft auch für die ehemalige Synagoge zu, ein Vorhaben mit zahlreichen Mitwirkenden. Da ist zunächst der Förderverein Ehemalige Synagoge, der ins Leben gerufen wurde, um das Gebäude zu retten und es wieder mit Leben zu füllen. Dann die Gemeinde Beselich, die das Gebäude erworben hat und die Sanierung im Rahmen der Vereinsförderung unterstützt. Das Landesamt für Denkmalpflege hat den ersten Bauabschnitt mit 60000 Euro gefördert und ist nun beim zweiten Abschnitt mit 30000 Euro dabei. Aus dem Sonderprogramm des Bundes für die Denkmalpflege gab es weitere 60000 Euro und nun kommt auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ins Boot, die die Sanierung mit 30000 Euro unterstützt.
Natürlich ist auch der Verein selbst finanziell an der Sanierung beteiligt und kann inzwischen auch etliche Stunden an Eigenleistung verbuchen. Vorsitzender Johannes Laubach zeigt sich optimistisch, die Sanierung des Betraums und des Treppenhauses in diesem Jahr noch abzuschließen, damit das Gebäude im kommenden Jahr wieder genutzt werden kann.
Dazu muss allerdings noch einiges geleistet werden. Die Sanierung der Wände im Betraum ist fast abgeschlossen, die Fenster sind auch schon fertig und über allem spannt sich die Gewölbedecke, die einen nächtlichen Sternenhimmel zeigt. Die Arbeiten an den Wänden im Treppenhaus laufen noch und der Fußboden im Betraum ist noch Großbaustelle.

Und das kleine Gebäude ist immer wieder für Überraschungen gut. Nachdem die alten Holzbretter entfernt waren, tauchte beim Ausheben des Bodens ein gemauerter Kanal oder Gang auf. Es gab zwar stets Vermutungen und Hinweise auf eine mögliche Mikwe, ein rituelles Tauchbad, unter dem Betraum, aber was nun auftauchte und sichtbar zu Tage tritt, passt nicht in dieses Bild. Möglicherweise ist es ein alter Entwässerungskanal. Die genaue Untersuchung steht noch aus.
Wenn das Gebilde, abgedeckt durch große Steinplatten, nicht als Mikwe diente, stellt sich natürlich die Frage, wo sich das rituelle Tauchbad befand.
Der aufgetauchte und mit Platten abgedeckte Graben durchzieht den kompletten Betraum der ehemaligen Synagoge.
Der aufgetauchte und mit Platten abgedeckte Graben durchzieht den kompletten Betraum der ehemaligen Synagoge.

Der heutige Bau der ehemaligen Synagoge ist in den Jahren 1876/77 errichtet worden. Die jüdische Gemeinde, die sich auf Schupbach, Heckholzhausen, Obertiefenbach sowie Gaudernbach und auch Wirbelau erstreckte, hatte sich für einen Neubau entschieden, da sich die alte Synagoge in einem baulich schlechten Zustand befand. Eine feste jüdische Gemeinde in Schupbach lässt sich etwa ab 1800 nachweisen. Am Jom-Kippur-Tag 1938 fand der letzte Gottesdienst in der Synagoge statt, Mitglieder der Gemeinde konnten flüchten oder wurden Opfer des Holocaust. Das Gebäude blieb in der NS-Zeit unbeschädigt, da es sich im Privatbesitz befand und als Lagerraum genutzt wurde.
Die ehemalige Synagoge befindet sich in der Mittelstraße 36 in dem Beselicher Ortsteil Schupbach. Geöffnet von 11 bis 17 Uhr, stündliche Führungen und Erläuterungen.

Ortstermin mit Frank Aulbach vom landesamt für Denkmalpflege. Restaurator Sven Trommer erläutert den Zustand der Wand mit unterschiedlichen Farbgebung
Ortstermin mit Frank Aulbach vom landesamt für Denkmalpflege. Restaurator Sven Trommer erläutert den Zustand der Wand mit unterschiedlichen Farbgebung

Auf der Flucht in die neue Heimat

Deutschland und damit auch die Orte im Landkreis Limburg-Weilburg sind Ziel von Flüchtlingen, die hier ein sicheres Leben ohne Verfolgung und tägliche Bedrohung suchen. Es gab Zeiten, da mussten Menschen aus Deutschland, aus Orten der Region fliehen, um dem sicheren Tod zu entgehen. Die Familien Schwarz aus Heckholzhausen und Strauß aus Obertiefenbach zum Beispiel.

Beselich-Schupbach. Der Weilburger Historiker Joachim Warlies steht im regelmäßigen Kontakt mit Anne Kossowsky aus Toronto. Johannes Laubach, Vorsitzender des Fördervereins „Ehemalige Synagoge Schupbach“, hat Verbindungen nach Sydney. Dort wohnt Dr. Jeffrey Streimer. Die Spuren von Anne Kossowsky und Jeffrey Streimer lassen sich nach Heckholzhausen zur Familie Schwarz und Obertiefenbach mit der Familie Strauß zurückverfolgen.

„Fluchtwege aus Schupbach“, unter diesem Motto hatte der Förderverein der ehemaligen Synagoge nach Schupbach ins Pfarrhaus eingeladen. Joachim Warlies und Johannes Laubach zeichneten dabei die Wege der Flucht der Familien Schwarz und Strauß nach. Beide Familien haben Opfer des Holocaust zu beklagen, die Mehrzahl der Familienmitglieder konnte sich jedoch durch Flucht vor den Nazis retten.

Die Fluchtwege sind vollkommen unterschiedlich. Wie Warlies erläuterte, verließ ein Großteil der Familie Schwarz ihren Herkunftsort Heckholzhausen, er gehörte ebenso zur jüdischen Gemeinde Schupbach wie Obertiefenbach, bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Von den acht zwischen 1877 und 1888 geborenen Kindern der Familie lassen sich nur die Lebenswege von Albert, Adolf, Max und Franziska nachvollziehen, die Spuren der älteren Geschwister, so Warlies, verlieren sich. Er geht fest davon aus, dass sie ausgewandert sind.

Albert Schwarz ist der Großvater von Anne Kossowsky. Er war Metzger und hatte ein Geschäft in der Weilburger Niedergasse, nachdem er seinen Heimatort Heckholzhausen verlassen hatte. 1926 verließ er Weilburg und zog nach Frankfurt, wo er 1933 starb. Alberts Sohn Ludwig floh nach Südafrika, wo er 1946 heiratete. 1959 besuchte er mit seiner Familie Weilburg. Damals war Tochter Anne als junges Mädchen mit dabei. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Kanada. Annes ältere Schwester hingegen zog es von Südafrika in die USA.

Adolf Schwarz verließ vor dem Ersten Weltkrieg Heckholzhausen und zog direkt nach Frankfurt, wo er eine katholische Frau heiratete. Wie Warlies verdeutlichte, war es die so genannte „Mischehe“, die ihn vor dem Tod bewahrte. Zwar wurde Adolf Schwarz noch in Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert, doch die Vernichtungslager im Osten waren zu dieser Zeit von der Roten Armee befreit worden.

Die Geschwister Max und Franziska wurden Opfer des Holocaust. Auch Max war wie seine Brüder Metzger, blieb bis zum Herbst 1938 in Merenberg, zog dann nach Frankfurt und wollte auswandern. Das glückte ihm nicht mehr. Er und seine Frau Lina kamen 1942 an einem „unbekannten Deportationsort“, Sohn Ferdinand Fritz wurde in Majdanek ermordet. Franziska verbrachte bereits im Kaiserreich und anschließend in der Weimarer Zeit viel Lebenszeit in Gefängnissen und Arbeitshäusern. Die Frau lebte lange Zeit in Frankfurt als Prostituierte. Nach 1940 wurde sie ins KZ Ravensbrück eingeliefert, im Juni 1942 starb sie in Bernburg.

Hermann Strauß aus Obertiefenbach tat sich schwer, zusammen mit seiner Frau Johanna und Tochter Bettina seine Heimat zu verlassen. Strauß, nach den Aufzeichnungen seiner Tochter Besitzer eines Basaltsteinbuchs und Träger des Eisernen Kreuzes im Ersten Weltkrieg, war Deutscher und nicht gewillt, seine Heimat zu verlassen. Wie Johannes Laubach erläuterte, führte erst die Reichspogromnacht 1938 und der damit verbundene Aufenthalt im KZ Buchenwald zu einem Umdenken.

Die Familie, auch fünf der sechs weiteren Geschwister von Hermann Strauß gelang die Flucht, kam am 30. November 1938 in Frankfurt zusammen, um von dort aus die Flucht anzutreten. Wohin die Flucht gehen sollte, war völlig egal, Hauptsache weg aus Europa. Unter glücklichen Umstände gelangte die Familie noch an Schiffstickets nach Shanghai. Und nachdem Hermann ebenfalls eingetroffen war, ging es mit dem Zug nach Triest.

Rund 20000 Kilometer legte Bettina Strauß auf der Flucht zurück, die in Sydney Ende 1946 endete. Acht Jahre waren zu diesem Zeitpunkt seit dem Start vergangen. Acht Jahre voller Gefahren, denn die Flüchtenden waren oft der Willkür von Militär, Aufsehern ausgesetzt, reisten unter schwierigsten Bedingungen und waren Krankheiten und Seuchen ausgesetzt. Viele Jahre war Shanghai Aufenthaltsort der Familie. Dort benötigten die Flüchtlinge keine Visa. In der Millionenstadt lernte Bettina Strauß ihren aus Wien geflohenen Mann Ludwig Streimer kennen, dem sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Sydney folgte. Ihre Eltern hingegen setzten die Flucht nach San Franzisco fort, wo Hermann Strauß schon im Dezember 1949 starb.

Sydney bedeutete für die Flüchtenden zwar Sicherheit und das Ende einer langen „Reise“, aber das Ehepaar hatte noch einige Hürden zu überwinden. Die Zulassung als Arzt ließ lange auf sich warten und war noch einmal mit einem Universitätsbesuch für Ludwig Streimer verbunden. Schon frühzeitig nahm Bettina Strauß wieder Kontakt in ihre alte Heimat auf, besuchte Deutschland mehrmals seit 1955, stand Schülerinnen und Schülern als Zeitzeugin zur Verfügung und besuchte im September 2000 auch wieder die ehemalige Synagoge in Schupbach, in der ihr Vater Vorbeter war. Nach ihrem Tod konnte Johannes Laubach bereits Bettinas Sohn Jeffrey und Enkelin Michelle in der ehemaligen Synagoge begrüßen.

jüdische Metzgerei Schwarz in der Weilburger Niedergasse

Die Familie Schwarz vor der Metzgerei in der Weilburger Niedergasse. Albert Schwarz steht hinter dem Kalb in der Bildmitte, seine Frau Sarah mit zwei Kindern in der Tür. Foto: Warlies

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Das Dokument von der Hochzeit in der Synagoge in Shanghai: Die aus Obertiefenbach stammende Bettina Strauß und der aus Wien stammende Ludwig Streimer gab sich dort das Ja-Wort. Foto: Laubach

Fluchtwege aus Schupbach

Beselich-Schupbach. Hunderttausende von Menschen sind auf der Flucht, viele von ihnen haben Deutschland als Ziel. Dort suchen sie nach einem Leben in Sicherheit und ohne tägliche Bedrohung für Leib und Leben. Es gab Zeiten, da mussten Deutsche fliehen und ihr Land verlassen, um ihr Leben zu retten. Das galt zwischen 1933 und 1945 vor allem für die jüdischen Mitbürger. Auch aus der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Schupbach führten Fluchtwege nach Kanada, in die USA, nach Südafrika oder nach Australien. Am Sonntag, 24. April, lädt der Förderverein „Ehemalige Synagoge Schupbach“ von 15 Uhr an zu einer Veranstaltung in das Pfarrhaus ein. Dort werden Joachim Warlies und Johannes Laubach anhand von zwei Familien aus der Gemeinde, die sich auf die Orte Schupbach, Obertiefenbach, Heckholzhausen, Gaudernbach und Wirbelau erstreckte, Fluchtwege nachzeichnen.

Von vier Nachkommen der Familie Schwarz aus Heckholzhausen kann der Weilburger Joachim Warlies, der sich schon seit Jahrzehnten mit der Geschichte jüdischer Bürger in seiner Heimatstadt Weilburg und im ehemaligen Oberlahnkreis beschäftigt, die Lebenswege nachzeichnen. Von weiteren vier Geschwistern ist nichts bekannt. Warlies vermutet, dass ihnen die Flucht ins Ausland gelungen ist, denn die Geschwister werden nicht als Opfer des Holocaust geführt.

Johanna, Bettina und Hermann Strauß, jüdische Familie aus Obertiefenbach.

Die vier bekannten Lebenswege der Geschwister führen schon vor dem Ersten Weltkrieg weg von Heckholzhausen. Frankfurt, Merenberg oder Weilburg sind die neuen Wohnorte, Schwester Franziska hingegen arbeitete als Prostituierte, kam in Arbeitshäuser und wurde schließlich in Ravensburg ermordet. Bruder Max Schwarz, der in Merenberg lebte, wurde mit seiner Familie Opfer des Holocaust. Adolf überlebte, weil er in einer Mischehe lebte und Albert, den es nach Frankfurt verschlagen hatte, starb in der Stadt am Main und ist auch dort begraben.
Hermann Strauß kämpfte als Soldat im Ersten Weltkrieg für sein Deutschland und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er glaubte lange, dass sich die Lage für jüdische Bevölkerung unter den Nationalsozialisten wieder „normalisieren“ würde. Erst sein Aufenthalt im KZ Buchenwald nach dem Novemberpogrom 1938 machte dem Mann aus Obertiefenbach deutlich, dass es eine Zukunft nur außerhalb von Deutschland geben wird. Seine Frau Johanna und seine Tochter Bettina trafen sich nach seiner KZ-Entlassung in Frankfurt und traten von dort die Flucht an.
Die führte über Triest nach Shanghai. Dort lebte die Familie mehrere Jahre in einem großen Lager, bis die Flucht nach den Ende des Zweiten Weltkriegs in San Franzisco und Sydney endete. Hermann Strauß und seine Frau Johanna fanden in den USA eine neue Heimat, Tochter Bettina begleitete ihren Mann, den aus Österreich stammenden Arzt Dr. Ludwig Streimer, nach Sydney. Bereits 1955 stattete sie ihrer alten Heimat einen ersten Besuch ab, die Verbindung zu ihr riss nie ab. Doch erst im Oktober 2000 betrat sie zum ersten Mal seit ihrer Flucht wieder die ehemalige Synagoge in Schupbach, in der ihr Vater Vorbeter war. Inzwischen konnte Johannes Laubach als Vorsitzender des Fördervereins dort auch schon Bettinas Sohn Jeffrey Streimer begrüßen. Im vergangenen Herbst besuchte mit Michelle Streimer eine Enkelin von Bettina Streimer-Strauß die ehemalige Synagoge.

Neue Paten für die Sterne am Himmel

Es besteht keine Gefahr mehr, dass der „Himmel“ über dem Betraum der ehemaligen Synagoge in Schupbach herunterfällt, die Kuppeldecke ist gesichert und damit auch die Sterne, die den dort aufgemalten Nachthimmel zieren. Der Förderverein freut sich nicht nur über den absehbaren Abschluss der Sicherungsarbeiten und der damit verbundenen Restaurierung, sondern auch über neue Sternenpaten, die mit ihrer Spende dafür sorgen, dass der Verein seinen finanziellen Anteil an den Arbeiten tragen kann und darüber hinaus an die nächsten Schritte denken kann.

Restaurierungsarbeiten

Ein Teil der neuen Paten kommt dem Sternenhimmel auf dem Baugerüst ganz nah (von links) Hermann Birkenfeld, Manuel Schamari, Dr. Martin Ulmer, Dunja und Stephan Behr, Dr. Kerstin Milde-Brendel, Bürgermeister Michael Franz und seine Frau Bettina, Gabriele und Thomas Tiefenbrunner, Dr. Matthias Brendel und Edith Fickinger. Foto: Förderverein Ehemalige Synagoge Schupbach .

Insgesamt 23 Privatpersonen, Vereine und Institutionen haben bisher eine Patenschaft für einen der Sterne an der Decke übernommen, allein 13 Paten kamen im Zeitraum eines Jahres hinzu. Die hatte der Verein zu einer Patenfeier in den Gemeindesaal des evangelischen Pfarrhauses eingeladen, denn die Baustelle in der ehemaligen Synagoge war für einen solchen Anlass noch ungeeignet.

Vorsitzender Johannes Laubach und Vorstandmitglied Karin Thomas-Klausnitzer überreichten den neuen Paten ihre Gaben in Form einer Fliese, die einen Stern abbildet und von der Designerin Dorothea Bonk aus Höhr-Grenzhausen gefertigt wurde, und ein entsprechendes Zertifikat. Fliese und Zertifikat als neue Paten nahmen entgegen: Hans Dobranz, Dunja und Stephan Behr, Dr. Kerstin Milde-Brendel und Dr. Matthias Brendel, Altlandrat Dr. Manfred Fluck, Dr. Martin Ulmer, Manuel Schamari, Gabriele und Thomas Tiefenbrunner, Edith Fickinger, Hermann Birkenfeld sowie Beselichs neuer Bürgermeister Michael Franz und seine Frau Bettina. Eine Patenschaft haben zudem übernommen, waren an dem Termin jedoch verhindert, Landrat Manfred Michel und der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Schabedoth; zudem gibt es noch eine Patenschaft durch ein Ehepaar, das anonym bleiben möchte.

Für den Förderverein sprach Johannes Laubach den Spendern ein herzliches Dankeschön aus, denn durch die Übernahme der Patenschaft, sie ist immerhin mit einer Spende in Höhe von mindestens 500 Euro verbunden, leisteten sie einen Beitrag dazu, den Platz unter dem Himmel wieder zu einem Ort der Gemeinschaft zu machen. Ein Ort, der dazu dienen soll, Worten und Melodien zu lauschen, aber auch einen Austausch zwischen unterschiedlichen Religionen ermöglichen und ein Ort des Lernens und Kennenlernens werden soll.

Die ehemalige Synagoge, so Laubach weiter, sei aber auch ein Ort der Mahnung. Er erinnerte daran, dass der gefeierte Mauerfall am 9. November vor 25 Jahren eine Vorgeschichte hatte, den 9. November 1938, die Pogromnacht mit einer bis dahin nicht gekannten Brutalität gegenüber der jüdischen Bevölkerung, die sich anschließend bis zum hunderttausendfachen Mord steigerte. Nach Einschätzung von Laubach hat der 9. November 1938 im 9. November 1923 (Hitler-Ludendorff-Putsch) eine Vorgeschichte und der wiederum im 9. November 1918 (Novemberrevolution und Ausrufung der Republik).

Karin Thomas-Klausnitzer erläuterte noch einmal kurz die Aktion der Sternenpatenschaft, die der Verein seit dem vergangenen Jahr anbietet. Für jeden der 86 Sterne an der Decke will der Verein einen Paten finden. Mit den damit verbundenen Spenden soll ein großer Teil des finanziellen Eigenanteils an der Sanierung gestemmt werden.

Mit Kosten in Höhe von rund 360000 Euro ist dabei nach Angaben des Kassierers Gerd Klausnitzer zu rechnen. Im ersten Bauabschnitt wird etwa die Hälfte der Kosten fällig. Land und Bund unterstützen den Abschnitt jeweils mit 60000 Euro und die Gemeinde übernimmt für die komplette Sanierung (Bauabschnitt eins und zwei) einen Anteil in Höhe von 57000